Wenn du Sitting in the Power üben möchtest, brauchst du keinen besonderen Raum und keine Vorkenntnisse. Du sitzt für einige Minuten ruhig, kommst im Körper an, nimmst deine eigene Präsenz wahr und beobachtest offen, was gerade da ist. Das Ziel ist nicht, etwas Außergewöhnliches zu erleben, sondern klar, ruhig und ohne Druck bei dir zu sein.
Plane für deinen ersten Versuch fünf bis zehn Minuten ein. Wenn du dich dabei stabil und wohl fühlst, kannst du die Dauer später langsam anpassen. Es gibt keine Mindestzeit, die du erreichen musst.
Wenn du zunächst verstehen möchtest, was diese Praxis bedeutet und woher sie kommt, lies zuerst: Was ist Sitting in the Power?
Die Übung in sechs Schritten
Du kannst die Schritte schlicht halten. Sitting in the Power wird nicht besser, weil du besonders lange sitzt oder etwas Bestimmtes wahrnimmst.
Was du vorbereiten solltest
Für die Übung genügen wenige Dinge:
- Ein Ort, an dem du für einige Minuten möglichst ungestört bist
- Eine bequeme und stabile Sitzposition auf einem Stuhl oder auf dem Boden
- Ein ausgeschaltetes oder stummes Telefon
- Optional ein Notizbuch für kurze Beobachtungen nach der Sitzung
Kerzen, Kristalle, Räucherwerk oder Musik sind nicht notwendig. Du kannst sie verwenden, wenn sie dir helfen, zur Ruhe zu kommen. Mache sie jedoch nicht zu einer Bedingung für eine „gelungene“ Sitzung.
Schritt 1: Einen ruhigen Rahmen schaffen
Entscheide vor dem Start, wie lange du sitzen möchtest. Stelle dir bei Bedarf einen unaufdringlichen Timer. Für den Anfang reichen fünf oder zehn Minuten.
Eine einfache innere Haltung genügt: Du musst nichts erreichen, nichts beweisen und nichts erzwingen. Du nimmst dir lediglich Zeit, still zu werden und zu beobachten.
Wenn du Sitting in the Power mit anderen Meditationsformen vergleichen möchtest, findest du hier eine Einordnung: Sitting in the Power und Meditation unterscheiden.
Schritt 2: Im Körper ankommen
Setze dich bequem hin. Spüre den Kontakt deiner Füße zum Boden und das Gewicht deines Körpers auf der Sitzfläche. Nimm zwei oder drei ruhige Atemzüge, ohne den Atem besonders tief oder kontrolliert machen zu müssen.
Gedanken dürfen da sein. Du musst deinen Kopf nicht leeren. Sobald du bemerkst, dass du einer Gedankenkette folgst, kehrst du freundlich zu einem einfachen Körperkontakt zurück: den Füßen, den Händen, dem Atem oder dem Gewicht des Körpers.
Es geht nicht darum, Gedanken loszuwerden. Es geht darum, sie zu bemerken, ohne ihnen sofort folgen zu müssen.
Schritt 3: Die eigene Präsenz wahrnehmen
Richte die Aufmerksamkeit nun auf das einfache Gefühl, da zu sein. Du kannst dich innerlich fragen:
Wie fühlt es sich an, jetzt hier zu sitzen?
Suche keine bestimmte Antwort. Vielleicht bemerkst du Ruhe, Unruhe, Wärme, Kühle, Enge, Weite, Müdigkeit, Spannung oder nichts Besonderes.
Nenne Eindrücke zunächst möglichst schlicht. „Wärme in den Händen“, „Druck im Brustkorb“ oder „viele Gedanken“ beschreibt eine unmittelbare Wahrnehmung. Eine Formulierung wie „Eine Energie will mir etwas sagen“ ist bereits eine Deutung.
Diese Unterscheidung schützt davor, einer ersten Empfindung zu schnell eine feste Bedeutung zu geben.
Schritt 4: Die Aufmerksamkeit behutsam weiten
Bleibe einige Minuten bei einer offenen, weichen Aufmerksamkeit. Du musst nicht auf einen Punkt starren und auch nicht versuchen, etwas einzuladen.
Vielleicht nimmst du Körperempfindungen, Bilder, Gedanken, Erinnerungen oder Gefühle wahr. Vielleicht bleibt es still oder langweilig. Alles davon kann Teil einer normalen Sitzung sein.
Falls du innerhalb eines spirituellen Rahmens übst, kannst du Eindrücke später in Ruhe reflektieren. Während der Sitzung reicht es, zu beobachten. Nicht jede Wahrnehmung ist eine Botschaft, und keine Wahrnehmung beweist einen Kontakt zur Geistigen Welt.
Schritt 5: Wahrnehmung und Deutung trennen
Wenn etwas auftaucht, halte kurz inne und unterscheide zwischen dem, was du tatsächlich wahrgenommen hast, und dem, was du daraus machst.
Ein einfaches Beispiel:
- Wahrnehmung: „Ich sehe innerlich die Farbe Blau.“
- Gefühl: „Ich empfinde dabei Ruhe.“
- Deutung: „Blau bedeutet, dass mich jemand aus der Geistigen Welt kontaktiert.“
Die ersten beiden Aussagen beschreiben dein subjektives Erleben. Die dritte Aussage ist eine mögliche Interpretation, aber kein Beweis. Du musst sie während der Sitzung weder bestätigen noch widerlegen.
Diese Haltung lässt dir Raum für spirituelle Offenheit, ohne dass du deine Eindrücke vorschnell zur Gewissheit machst.
Schritt 6: Bewusst abschließen
Wenn dein Timer endet oder du die Sitzung beenden möchtest, vertiefe den Atem und bewege Hände sowie Füße. Öffne die Augen und nimm dir einen Moment, um dich im Raum zu orientieren.
Benenne leise drei Dinge, die du siehst. Spüre erneut den Boden unter den Füßen. Stehe erst auf, wenn du dich klar und gegenwärtig fühlst.
Ein Glas Wasser, ein kurzer Gang durch den Raum oder eine kleine Alltagsaufgabe können den Übergang unterstützen. Ein bewusster Abschluss hilft dir, die Übung von deinem weiteren Tag zu trennen.
Varianten für 5, 10 und 20 Minuten
Fünf Minuten für den Einstieg
- Eine Minute: Sitzposition finden und im Körper ankommen
- Zwei Minuten: Atmung, Körperkontakt und Gegenwärtigkeit wahrnehmen
- Eine Minute: Offen beobachten
- Eine Minute: Bewusst abschließen und orientieren
Diese Variante eignet sich für den Beginn, für stressige Tage oder nach einer längeren Pause.
Zehn Minuten für eine ruhige Standardsitzung
- Zwei Minuten: Rahmen schaffen und im Körper ankommen
- Drei Minuten: Eigene Präsenz wahrnehmen
- Drei Minuten: Aufmerksamkeit weiten und offen beobachten
- Zwei Minuten: Abschluss und kurze Notiz
Zehn Minuten sind für viele Anfänger ein guter Rahmen: lang genug für Ruhe, kurz genug, um nicht aus Pflichtgefühl zu sitzen.
Zwanzig Minuten für eine etablierte Praxis
- Drei Minuten: Ankommen und Körper wahrnehmen
- Fünf Minuten: Eigene Präsenz beobachten
- Acht Minuten: Offene Aufmerksamkeit und Wahrnehmung ohne Deutung
- Zwei Minuten: Bewusst sammeln und abschließen
- Zwei Minuten: Notizen machen
Verlängere eine Sitzung nur, wenn sich die bisherige Dauer stabil, freiwillig und alltagstauglich anfühlt. Mehr Zeit ist kein Qualitätsnachweis.
Wie oft solltest du üben?
Für den Anfang reichen zwei oder drei kurze Sitzungen pro Woche. Manche Menschen üben gern täglich, andere finden einen lockeren Rhythmus hilfreicher. Entscheidend ist nicht, ob du eine Serie von Tagen „durchhältst“, sondern ob die Praxis zu deinem Zustand und deinem Alltag passt.
Wenn du eine längerfristige, flexible Gewohnheit entwickeln möchtest, lies weiter: Sitting in the Power regelmäßig üben – ohne Druck.
Nach der Sitzung: Ein kurzes Protokoll
Notiere höchstens drei bis fünf Sätze. Lange Analysen unmittelbar nach der Übung führen oft dazu, dass du mehr deutest als beobachtest.
Du kannst diese Vorlage kopieren:
- Datum und Dauer:
- Ausgangszustand vor der Sitzung:
- Konkrete Wahrnehmungen während der Sitzung:
- Erste Deutungen oder Gedanken dazu:
- Zustand nach dem Abschluss:
- Möchte ich später etwas noch einmal nüchtern prüfen?
Notiere auch Sitzungen, in denen dir nichts Besonderes aufgefallen ist. Das hilft dir, nicht nur auffällige Erlebnisse zu erinnern.
Wenn nichts passiert
Dann war die Sitzung trotzdem vollständig. Sitting in the Power ist keine Prüfung, und Stille ist kein Misserfolg.
Langeweile, viele Gedanken, Unruhe oder das Gefühl, gar nichts wahrgenommen zu haben, sind normale Erfahrungen. Entscheidend ist, dass du ohne Zwang übst, dich klar orientieren kannst und wieder in deinen Alltag zurückkehrst.
Vermeide besonders diese vier Fallen:
- Du willst unbedingt etwas wahrnehmen und beobachtest dich dadurch ständig selbst
- Du verlängerst eine Sitzung, obwohl du müde, angespannt oder unruhig bist
- Du deutest jede Körperempfindung sofort spirituell
- Du beendest die Sitzung hastig, ohne dich wieder im Raum und im Körper zu orientieren
Die einfache Lösung lautet: kürzer üben, sachlicher notieren und die Praxis freiwillig halten.
Wann du pausieren solltest
Beende die Sitzung, wenn Angst, starke Unruhe, Realitätsunsicherheit, Desorientierung oder das Gefühl von Kontrollverlust auftritt. Übe bei einer akuten psychischen Krise nicht weiter.
Eine Pause ist kein Scheitern, sondern eine verantwortliche Entscheidung. Hole dir professionelle Unterstützung, wenn Belastungen anhalten, sich verstärken oder deinen Alltag beeinträchtigen.
Diese Anleitung ist für eine stabile persönliche Praxis gedacht. Sie ersetzt keine medizinische, psychotherapeutische oder psychiatrische Unterstützung. Ausführliche Hinweise zu Warnzeichen, Pausen und einem vorsichtigen Wiedereinstieg findest du hier: Sitting in the Power sicher praktizieren.
Der passende nächste Schritt
Wenn du die Übung lieber zunächst geführt ausprobieren möchtest, kannst du mit vier kurzen Meditationen beginnen:
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