Sitting in the Power ist eine stille Praxis aus dem englischsprachigen Spiritualismus. Du sitzt für einige Minuten ruhig, nimmst Körper, Gedanken und innere Eindrücke wahr und übst, sie nicht sofort zu bewerten oder als Botschaft zu deuten. Du musst dafür weder besondere Fähigkeiten haben noch etwas Außergewöhnliches erleben.
Im Spiritualismus wird Sitting in the Power häufig als Grundlage für persönliche, sensitive und mediale Entwicklung beschrieben. Die Bezeichnungen und Übungen unterscheiden sich jedoch je nach Lehrtradition: Manche Lehrende sprechen von „eigener Kraft“, andere von Seele, Bewusstsein oder einer Verbindung zur Geistigen Welt. Gemeinsamer Kern ist eine ruhige, rezeptive Aufmerksamkeit ohne Leistungsdruck.
Wichtig: Innere Bilder, Gefühle oder Körperempfindungen sind zunächst persönliche Erfahrungen. Sie belegen für sich allein keinen Kontakt zur Geistigen Welt und keine mediale Fähigkeit.
Was bedeutet „Sitting in the Power“?
Wörtlich bedeutet der Ausdruck ungefähr „in der Kraft sitzen“. Gemeint ist damit nicht, dass du eine geheimnisvolle Kraft aktivieren oder einen besonderen Bewusstseinszustand erreichen musst.
Für eine alltagstaugliche Praxis kannst du „Power“ als deine eigene Präsenz verstehen: den Zustand, in dem du deinen Körper, deine Stimmung, deine Gedanken und deine Grenzen bewusst wahrnimmst, statt sofort auf jeden inneren oder äußeren Reiz zu reagieren.
Du sitzt also nicht, um etwas zu erzwingen. Du sitzt, um zu beobachten:
- Wie fühlt sich mein Körper gerade an?
- Bin ich ruhig, angespannt, müde oder unruhig?
- Welche Gedanken oder Gefühle sind da?
- Was nehme ich tatsächlich wahr?
- Was deute ich nur im Nachhinein hinein?
Spirituelle Begriffe wie Energie, Seele oder Geistige Welt können innerhalb einer persönlichen spirituellen Haltung hilfreiche Deutungsmodelle sein. Sie sind jedoch keine naturwissenschaftlich messbaren Tatsachen. Deshalb ist eine klare Unterscheidung wichtig:
| Ebene | Beispiel |
|---|---|
| Konkrete Wahrnehmung | „Meine Hände fühlen sich warm an.“ |
| Emotionale Reaktion | „Das beruhigt mich.“ |
| Interpretation | „Die Wärme bedeutet, dass eine geistige Präsenz da ist.“ |
| Nüchterne Einordnung | „Ich kann die Wärme wahrnehmen, ohne ihre Ursache vorschnell festzulegen.“ |
Diese Unterscheidung nimmt einer spirituellen Erfahrung nicht ihren persönlichen Wert. Sie hilft dir lediglich, offen, ehrlich und gut orientiert zu bleiben.
Woher kommt die Praxis?
Sitting in the Power ist vor allem im englischsprachigen Spiritualismus und in der Ausbildung von Medien verbreitet. Dort wird die stille Praxis als eine Form der Sammlung, des inneren Stillwerdens und der empfänglichen Aufmerksamkeit verstanden; sie spielt insbesondere in Kontexten der sensitiven und medialen Entwicklung eine Rolle.
Eine weltweit einheitliche Methode gibt es nicht. Manche Lehrende beginnen mit Atemwahrnehmung oder Körperkontakt, andere mit einer stillen Ausrichtung auf das eigene Bewusstsein, die eigene Seele oder auf spirituelle Verbundenheit. Auch die Dauer variiert stark: Für Einsteiger werden oft kurze Sitzungen empfohlen, während erfahrene Praktizierende länger üben können.
Für deinen Einstieg ist nicht entscheidend, welcher Begriff verwendet wird. Entscheidend ist die Haltung:
- Du beobachtest ruhig, statt nach einem Ergebnis zu suchen.
- Du hältst Wahrnehmung und Interpretation auseinander.
- Du respektierst Müdigkeit, Unruhe und persönliche Grenzen.
- Du beendest jede Sitzung bewusst und kehrst klar in deinen Alltag zurück.
Was geschieht in der Praxis?
Sitting in the Power ist keine Prüfung und keine Methode, mit der du eine Erfahrung produzieren musst. Die Praxis schafft vielmehr einen stillen Rahmen, in dem du deine Ausgangslage besser kennenlernen kannst.
Dabei können verschiedene Dinge auffallen:
- Körperempfindungen wie Wärme, Kühle, Schwere, Leichtigkeit oder Anspannung
- Gedanken, Erinnerungen und innere Bilder
- Gefühle wie Ruhe, Unsicherheit, Freude, Langeweile oder Traurigkeit
- Das Gefühl, ganz gewöhnlich dazusitzen und nichts Besonderes wahrzunehmen
Keine dieser Erfahrungen ist automatisch ein Zeichen für eine mediale Fähigkeit. Und wenn du nichts Besonderes wahrnimmst, ist die Sitzung nicht misslungen.
Eine hilfreiche Frage lautet nicht: „Was ist passiert?“ Sondern: „Was habe ich konkret bemerkt, und was habe ich erst später daraus gemacht?“
Mit regelmäßiger, druckfreier Übung kann es leichter werden, die eigene Stimmung, Körperreaktionen und spontane Eindrücke bewusster zu unterscheiden. Das ist kein Versprechen über spirituelle oder mediale Entwicklung, sondern eine mögliche Beobachtung aus einer reflektierten Praxis.
Was Sitting in the Power nicht ist
Sitting in the Power wird oft missverstanden. Es ist nicht:
- Eine Garantie für Jenseitskontakte, Botschaften oder mediale Wahrnehmungen
- Eine Übung, bei der du dauerhaft den Alltag ausblenden sollst
- Ein Test für spirituelle Begabung
- Ein Ersatz für medizinische, psychotherapeutische oder psychiatrische Unterstützung
- Eine Aufforderung, innere Bilder oder Gefühle sofort als objektive Wahrheit zu behandeln
- Ein Wettbewerb um möglichst intensive Erlebnisse
Gerade Anfänger profitieren davon, die Praxis schlicht zu halten. Die Fähigkeit, eine Sitzung ruhig zu beginnen, bewusst zu beenden und ohne dramatische Deutung zu reflektieren, ist wertvoller als eine spektakuläre Erfahrung.
Ist Sitting in the Power Meditation?
Ja und nein: Sitting in the Power enthält meditative Elemente wie Stille, Sammlung und nicht wertende Aufmerksamkeit. Meditation ist allerdings ein weiter Oberbegriff für sehr unterschiedliche Methoden und Ziele.
Sitting in the Power setzt innerhalb des Spiritualismus einen besonderen Schwerpunkt auf die eigene Präsenz, auf innere Wahrnehmung und – je nach spiritueller Tradition – auf eine empfängliche Haltung gegenüber spirituellen Eindrücken. Viele Lehrende beschreiben die Praxis deshalb als spezielle meditative Form für die Entwicklung sensitiver oder medialer Arbeit.
Eine Atemmeditation, Achtsamkeitspraxis, Körperreise oder geführte Meditation ist deshalb nicht weniger wertvoll. Welche Übung besser passt, hängt von deinem Ziel und deinem aktuellen Zustand ab.
| Wenn du gerade möchtest … | Kann hilfreich sein … |
|---|---|
| Anspannung regulieren und den Körper beruhigen | Atem-, Körper- oder Achtsamkeitsmeditation |
| Nach einem stressigen Tag zur Ruhe kommen | Eine kurze geführte Entspannung oder ein Spaziergang |
| Die eigene Stimmung und innere Präsenz beobachten | Sitting in the Power |
| Spirituelle Eindrücke persönlich reflektieren | Sitting in the Power – mit Ergebnisoffenheit und klaren Grenzen |
Den ausführlichen Vergleich findest du hier: Sitting in the Power und Meditation: Unterschiede und Gemeinsamkeiten.
Ein erster Überblick über den Ablauf
Eine Sitting-in-the-Power-Sitzung kann sehr einfach sein. Für den ersten Versuch reichen fünf bis zehn Minuten.
- Wähle einen ruhigen Ort. Setze dich auf einen Stuhl oder auf den Boden, sodass du stabil und bequem sitzen kannst. Ein besonderes Ritual, Musik oder spirituelles Zubehör ist nicht nötig.
- Komme im Körper an. Spüre Füße, Hände, Atem und den Kontakt zum Stuhl oder Boden. Du musst deinen Atem nicht kontrollieren; nimm einfach wahr, dass er da ist.
- Lass Gedanken kommen und gehen. Du musst den Kopf nicht leeren. Wenn du bemerkst, dass du einer Gedankenkette folgst, kehrst du freundlich zur Atmung oder zu einem Körperkontakt zurück.
- Nimm deine Präsenz wahr. Frage dich innerlich: „Wie fühlt es sich an, jetzt hier zu sitzen?“ Suche keine bestimmte Antwort und versuche nicht, etwas hervorzurufen.
- Beobachte offen. Nimm Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen oder innere Bilder wahr, ohne sie sofort als Botschaft, Zeichen oder Kontakt zu bewerten.
- Schließe bewusst ab. Bewege Hände und Füße, öffne die Augen und orientiere dich im Raum. Benenne zum Beispiel drei Dinge, die du siehst, bevor du wieder aufstehst.
Die vollständige Schritt-für-Schritt-Praxis mit Varianten für fünf, zehn und zwanzig Minuten, einem Protokoll und Hinweisen zu typischen Stolpersteinen findest du in der Sitting-in-the-Power-Anleitung.
Was Anfänger realistisch erwarten können
Es gibt keine Erfahrung, die du erreichen musst. Manche Menschen nehmen am Anfang vor allem Unruhe, Gedanken oder Müdigkeit wahr. Andere bemerken Körperempfindungen, eine ruhigere Stimmung oder innere Bilder. Viele Sitzungen bleiben unspektakulär.
Das ist normal.
Eine hilfreiche erste Sitzung kann einfach so aussehen:
Du sitzt fünf Minuten ruhig. Zunächst kreisen deine Gedanken um den Tag. Dann bemerkst du den Kontakt deiner Füße zum Boden. Gegen Ende spürst du Wärme in deinen Händen. Du notierst danach: „Unruhig begonnen, später etwas ruhiger. Wärme in den Händen.“ Mehr musst du daraus zunächst nicht machen.
Die Erfahrung wird klarer, wenn du bei dem bleibst, was du tatsächlich beschreiben kannst. Nicht jede innere Regung braucht sofort eine Erklärung.
Was du nicht wahrnehmen musst
Du musst nicht:
- Bilder sehen
- Stimmen hören
- eine Präsenz spüren
- besondere Energie wahrnehmen
- dich tief entspannt fühlen
- dich nach jeder Sitzung verändert fühlen
- sicher sein, was ein Eindruck bedeutet
Stille, Langeweile und Zweifel gehören ebenso zu einer ehrlichen Praxis wie Ruhe oder ein starkes Gefühl von Gegenwärtigkeit.
Fortschritt ohne Leistungsdruck erkennen
Fortschritt bedeutet nicht automatisch, mehr oder stärkere Eindrücke zu haben. Auch lange Sitzungen sind kein verlässlicher Qualitätsmaßstab.
Sinnvoller sind nüchterne Fragen:
- Erkenne ich meine Ausgangsstimmung schneller?
- Kann ich Gedanken, Gefühle, Wahrnehmung und Interpretation besser unterscheiden?
- Merke ich früher, wann eine Sitzung gerade nicht guttut?
- Kann ich eine Übung ohne Selbstkritik verkürzen oder auslassen?
- Kehre ich nach einer Sitzung klarer in meinen Alltag zurück?
- Bleibe ich offen für Zweifel, alternative Erklärungen und Korrektur?
Wie du eine flexible Übungsroutine entwickelst und Fortschritt nüchtern einordnest, liest du hier: Sitting in the Power regelmäßig üben – ohne Druck.
Für wen passt die Praxis?
Sitting in the Power kann zu dir passen, wenn du:
- eine ruhige, ergebnisoffene spirituelle Praxis suchst
- dich selbst und deine innere Stimmung bewusster wahrnehmen möchtest
- Meditation ohne Leistungsdruck ausprobieren willst
- dich persönlich mit spirituellen Fragen beschäftigst
- sensitive oder mediale Themen reflektiert und ohne Schnellschlüsse erkunden möchtest
Die Praxis muss aber nicht für jeden Menschen und nicht zu jeder Zeit passend sein. Wenn du akut stark belastet, sehr unruhig, desorientiert oder in einer psychischen Krise bist, solltest du nicht versuchen, solche Zustände durch längeres oder intensiveres Sitzen zu lösen.
Beende die Übung, wenn Angst, zunehmende Unruhe, Realitätsunsicherheit oder das Gefühl von Kontrollverlust auftreten. Stabilisierung im Alltag und gegebenenfalls professionelle Hilfe gehen dann vor jeder weiteren spirituellen Praxis.
Eine ausführliche Einordnung zu Warnzeichen, Pausen und einem vorsichtigen Wiedereinstieg findest du hier: Sitting in the Power sicher praktizieren.
Häufige Missverständnisse
„Ich muss etwas sehen oder spüren“
Nein. Ein außergewöhnliches Erlebnis ist keine Voraussetzung. Erwartungsdruck kann sogar dazu führen, dass du dich ständig kontrollierst und jede Kleinigkeit deuten möchtest.
Eine stille Sitzung ist eine vollständige Sitzung.
„Nur besonders begabte Menschen können das“
Für die Grundübung brauchst du keine nachgewiesene spirituelle, sensitive oder mediale Begabung. Du setzt dich hin, beobachtest dich ehrlich und beendest die Übung bewusst.
Ob jemand später sensitive oder mediale Eindrücke entwickelt, ist individuell. Es lässt sich nicht garantieren und nicht aus einer einzelnen Sitzung ableiten.
„Ich darf nicht zweifeln“
Doch. Zweifel kann eine hilfreiche Form von Selbstschutz und Sorgfalt sein. Er bedeutet nicht, dass du deiner Erfahrung den Wert absprichst.
Frage dich stattdessen:
- Was habe ich konkret wahrgenommen?
- Was habe ich gefühlt?
- Welche Bedeutung habe ich dem gegeben?
- Welche anderen Erklärungen wären ebenfalls möglich?
„Ich muss jeden Tag lange üben“
Nein. Regelmäßigkeit kann hilfreich sein, aber sie ist kein Zwang. Für den Anfang können zwei oder drei kurze Sitzungen pro Woche ausreichen. Entscheidend ist, dass du dich während und nach der Praxis stabil fühlst und sie in deinen Alltag passt.
Eine flexible Übungsroutine ohne Druck ist sinnvoller als ein strenger Plan, den du nur aus Schuldgefühl erfüllst.
Häufige Fragen
Muss ich die Augen schließen?
Nein. Geschlossene Augen können die Sammlung erleichtern. Leicht geöffnete Augen helfen manchen Menschen, sich besser im Raum orientiert zu fühlen. Wähle die Form, in der du ruhig und gegenwärtig bleibst.
Brauche ich Musik, Kerzen oder Räucherwerk?
Nein. Diese Dinge können eine persönliche Atmosphäre schaffen, sind aber keine Voraussetzung. Wenn du deine eigene Grundwahrnehmung kennenlernen möchtest, probiere regelmäßig Sitzungen ohne zusätzliche Reize.
Welche Tageszeit eignet sich?
Wähle eine Zeit, zu der du weder gehetzt noch sehr müde bist. Eine feste Uhrzeit kann eine Gewohnheit erleichtern, aber keine Tageszeit ist spirituell überlegen.
Wie lange soll ich sitzen?
Zum Einstieg reichen fünf bis zehn Minuten. Du kannst die Dauer später langsam anpassen, wenn sich die Praxis stabil und freiwillig anfühlt. Eine längere Sitzung ist nicht automatisch besser.
Was mache ich, wenn ich einschlafe?
Wähle eine wachere Tageszeit, sitze etwas aufrechter oder öffne die Augen einen Spalt. Anhaltende Erschöpfung ist kein spirituelles Zeichen, sondern sollte als körperliches oder psychisches Bedürfnis ernst genommen werden.
Dein nächster Schritt
Wenn du Sitting in the Power nicht nur verstehen, sondern direkt ausprobieren möchtest, nutze die vollständige Sitting-in-the-Power-Anleitung. Sie führt dich in klaren Schritten durch eine erste kurze Sitzung.
Du möchtest lieber geführt beginnen? Dann kannst du hier vier Übungen kostenlos ausprobieren:
Vier kostenlose Sitting-in-the-Power-Meditationen
Wenn du einen strukturierten Übungsweg mit Hintergründen suchst, kannst du anschließend das Buch vertiefend nutzen. Die 19 geführten Meditationen zum Buch sind ein kostenloser Bonus, den du nach dem Kauf freischaltest:
„Das Unsichtbare fühlen“ – das Buch, mit 19 Bonus-Meditationen
Für eine anschließende, ruhige Vertiefung der Haltung und Erwartungen kannst du mit Teil 1 der neunteiligen „Sitting in the Power“-Serie weitergehen.
