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#1 Sitting in the Power: Haltung und Erwartungen

Teil 1 der Serie zeigt, mit welcher Haltung du Sitting in the Power beginnst: ruhig, ergebnisoffen und mit einem klaren Bezug zum Alltag.

Wenn du Sitting in the Power beginnen möchtest, brauchst du kein besonderes Erlebnis und keine bestimmte spirituelle Begabung. Du brauchst vor allem eine ruhige, neugierige und ergebnisoffene Haltung: Du setzt dich hin, nimmst wahr, was gerade da ist, und musst daraus zunächst nichts machen.

Dieser erste Teil der Serie hilft dir, einen tragfähigen inneren Rahmen zu finden. Die neun Teile führen anschließend von der eigenen Präsenz über Wahrnehmung und Selbstregulation bis zur Integration in den Alltag. Die Serie ersetzt weder den Grundlagenartikel noch die vollständige Anleitung. Sie vertieft einzelne Fragen, damit du nicht alles zugleich klären oder erleben musst. Sitting in the Power wird im Umfeld der medialen Entwicklung häufig als grundlegende stille Praxis beschrieben; die Begriffe und Schwerpunkte unterscheiden sich jedoch je nach Lehrtradition.

Die wichtigste Haltung: nichts erzwingen

Sitting in the Power beginnt nicht mit der Frage: „Was werde ich wahrnehmen?“ Sondern mit der einfacheren Frage:

Wie ist es, jetzt gerade hier zu sitzen?

Du musst keine Bilder sehen, keine Stimme hören, keine Energie spüren und keinen Kontakt erleben. Manche Sitzungen fühlen sich ruhig an, andere gedankenvoll, müde, unruhig oder vollkommen gewöhnlich. All das kann Teil einer normalen persönlichen Praxis sein.

In manchen spiritualistischen Lehrtraditionen wird Sitting in the Power als Grundlage sensitiver oder medialer Entwicklung verstanden. Andere Beschreibungen betonen das Stillwerden, die eigene Präsenz oder eine offene Verbindung zu spirituellen Vorstellungen. Gemeinsam ist vielen Ansätzen der Gedanke, nicht auf ein bestimmtes Ergebnis hinzuarbeiten.

Für diese Serie gilt deshalb:

  • Du musst nichts beweisen.
  • Du musst keine Erfahrung erzeugen.
  • Du darfst zweifeln.
  • Du darfst eine Übung verkürzen.
  • Du darfst pausieren.
  • Du darfst später anders über einen Eindruck denken.

Eine persönliche spirituelle Deutung darf für dich bedeutsam sein. Sie muss jedoch nicht sofort feststehen und sie ist kein objektiver Beweis für eine äußere Ursache.

Neugier statt Erwartungsdruck

Neugier bedeutet: Du bist bereit zu beobachten, ohne vorher zu wissen, was dabei herauskommt.

Erwartungsdruck klingt anders:

  • „Heute muss endlich etwas passieren.“
  • „Wenn ich nichts spüre, mache ich etwas falsch.“
  • „Ich sollte weiter sitzen, bis ich ein klares Zeichen bekomme.“
  • „Andere erleben viel mehr als ich.“
  • „Ich darf nicht zweifeln, sonst blockiere ich mich.“

Solche Gedanken sind verständlich. Sie machen die Praxis aber oft anstrengender, weil du dich während der Sitzung ständig prüfst.

Versuche deshalb, deine Absicht vor dem Start schlicht zu halten:

Ich nehme mir fünf Minuten Zeit, um bei mir anzukommen und offen wahrzunehmen.

Diese Absicht genügt. Sie macht die Übung vollständig, auch wenn du danach nur feststellst: „Ich war müde“, „Mein Kopf war voll“ oder „Es gab nichts Besonderes.“

Wahrnehmung und Interpretation trennen

Diese Unterscheidung begleitet die gesamte Serie.

Eine Wahrnehmung ist das, was du unmittelbar bemerkst: ein Körpergefühl, ein Gedanke, ein Bild, eine Erinnerung, ein Gefühl oder eine Veränderung deiner Stimmung.

Eine Interpretation ist die Bedeutung, die du einer Wahrnehmung gibst.

EbeneBeispiel
Wahrnehmung„Meine Hände fühlen sich warm an.“
Gefühl„Ich empfinde dabei Ruhe.“
Gedanke„Ich stelle mir einen hellen Raum vor.“
Interpretation„Die Wärme oder das Bild bedeutet, dass eine geistige Präsenz da ist.“
Offene Haltung„Ich kann die Erfahrung notieren, ohne ihre Ursache sofort festzulegen.“

Diese Trennung macht deine Erfahrung nicht weniger spirituell. Sie hilft dir, ehrlich zu bleiben und dich nicht unter Druck zu setzen, aus jedem Eindruck eine Botschaft machen zu müssen.

In Teil 3 der Serie wird diese Unterscheidung mit einer konkreten Zwei-Spalten-Übung vertieft. Für den Moment genügt eine Frage: Was weiß ich aus direkter Wahrnehmung – und was vermute oder deute ich?

Drei Orientierungspunkte für jede Sitzung

Du brauchst für den Anfang keine komplizierte Technik. Diese drei Orientierungspunkte reichen:

1. Körper

Spüre einen konkreten Kontaktpunkt: die Füße auf dem Boden, Hände auf den Oberschenkeln, den Rücken am Stuhl oder das Gewicht deines Körpers auf der Sitzfläche.

Der Körper ist kein Orakel. Er gibt dir jedoch einen direkten Bezugspunkt, wenn Gedanken oder Gefühle dich stark beschäftigen.

2. Präsenz

Nimm wahr, wie es sich anfühlt, gerade hier zu sein. Vielleicht bemerkst du Ruhe, Spannung, Müdigkeit, Enge, Weite, Gedanken oder nichts Besonderes.

Du musst nicht entscheiden, ob diese Erfahrung „richtig“ oder „spirituell“ ist. Beschreibe sie zunächst möglichst schlicht.

3. Alltag

Sitting in the Power endet nicht in der inneren Beobachtung. Nach der Sitzung öffnest du die Augen, bewegst dich, orientierst dich im Raum und kehrst zu deinem Tag zurück.

Eine gute Praxis erweitert nicht den Abstand zum Alltag. Sie soll dir helfen, im Alltag klarer, verantwortlicher und besser orientiert zu bleiben.

Deine erste Fünf-Minuten-Übung

Diese kurze Übung dient nicht dazu, etwas zu erreichen. Sie gibt dir lediglich einen ruhigen Einstieg.

  1. Setze dich bequem hin. Stelle beide Füße auf den Boden oder finde auf dem Boden eine stabile Position. Lege dein Telefon beiseite oder stelle es stumm.
  2. Komme eine Minute im Körper an. Spüre Füße, Hände, Atem und den Kontakt zur Sitzfläche. Du musst deinen Atem nicht verändern.
  3. Bleibe drei Minuten bei offener Präsenz. Frage dich innerlich: „Wie fühlt es sich an, jetzt hier zu sitzen?“ Nimm Gedanken, Gefühle oder Körperempfindungen wahr, ohne sie sofort zu erklären.
  4. Schließe eine Minute bewusst ab. Öffne die Augen, bewege Hände und Füße und benenne drei Dinge, die du im Raum siehst.

Wenn du nichts Besonderes bemerkst, war die Übung vollständig. Wenn du viele Gedanken bemerkst, war die Übung ebenfalls vollständig. Du hast wahrgenommen, was gerade da war.

Wiederhole diese Übung nur, wenn sie sich für dich stabil und stimmig anfühlt. Du musst keine tägliche Serie daraus machen.

Fünf Erwartungen, die du loslassen darfst

„Ich muss etwas Besonderes wahrnehmen“

Nein. Eine stille oder ereignisarme Sitzung ist kein Fehler. Sie ist eine normale Form der Praxis.

„Ich muss mich sofort ruhig fühlen“

Nein. Manchmal bemerkst du zuerst, wie unruhig, müde oder angespannt du bist. Das ist keine Störung, sondern eine Information über deinen aktuellen Zustand.

„Ich muss an die Geistige Welt glauben“

Nein. Du kannst Sitting in the Power als persönliche Präsenzübung ausprobieren, auch wenn du spirituelle Begriffe vorsichtig, offen oder skeptisch betrachtest.

Innerhalb eines spirituellen Rahmens dürfen Begriffe wie Seele, Energie oder Geistige Welt persönliche Deutungsmodelle sein. Sie müssen aber nicht als Tatsachen vorausgesetzt werden, damit du still sitzen und dich wahrnehmen kannst.

„Ich darf nicht zweifeln“

Doch. Zweifel schützt vor Schnellschlüssen. Du kannst offen sein und gleichzeitig alternative Erklärungen zulassen.

Eine hilfreiche Haltung lautet: „Diese Erfahrung kann für mich bedeutsam sein. Ich muss ihre Ursache heute nicht endgültig festlegen.“

„Ich muss langfristig unbedingt medial arbeiten“

Nein. Sitting in the Power verpflichtet dich nicht zu einer medialen Entwicklung, zu Gruppenübungen oder zur Arbeit mit anderen Menschen.

Du darfst die Praxis als ruhigen persönlichen Raum nutzen. Ob du später weitergehen möchtest, entscheidest du in deinem eigenen Tempo.

Was diese Serie verspricht – und was nicht

Die Serie bietet dir einen klaren, schrittweisen Reflexions- und Übungsrahmen. Du lernst, eigene Präsenz bewusster wahrzunehmen, Eindrücke sorgfältiger einzuordnen, Grenzen zu respektieren und persönliche Erfahrungen im Alltag zu integrieren.

Die Serie verspricht nicht:

  • Mediale Fähigkeiten
  • Jenseitskontakte
  • Botschaften oder Antworten auf schwierige Lebensfragen
  • Heilung körperlicher oder psychischer Beschwerden
  • Einen dauerhaften Zustand von Ruhe, Sicherheit oder Verbundenheit
  • Einen Ersatz für medizinische, psychotherapeutische oder psychiatrische Unterstützung

Spirituelle Einordnungen bleiben persönliche Deutungsmodelle. Bei wichtigen Entscheidungen zu Gesundheit, Recht, Finanzen, Sicherheit oder anderen Menschen brauchst du zusätzlich überprüfbare Informationen und gegebenenfalls fachliche Beratung.

Wann du pausieren solltest

Sitting in the Power soll keine Übung sein, die du gegen deinen Zustand durchsetzt.

Pausiere oder beende die Sitzung, wenn:

  • Angst oder Panik zunehmen
  • du dich deutlich unruhiger statt klarer fühlst
  • du dich desorientiert oder realitätsunsicher fühlst
  • du dissoziative Erfahrungen oder Kontrollverlust bemerkst
  • Schlafprobleme, belastende Erinnerungen oder starke Erschöpfung zunehmen
  • du nur noch aus Druck, Schuldgefühl oder Angst vor einem vermeintlichen Rückschritt übst

Bei einer akuten psychischen Krise ist Sitting in the Power nicht die passende Übung. Stabilisierung, Unterstützung durch vertraute Menschen und bei Bedarf professionelle Hilfe haben Vorrang.

Meditation und stille Selbstbeobachtung werden zwar häufig als risikoarm angesehen, können aber bei manchen Menschen belastende Reaktionen wie Angst, depressive Stimmung, Panik, Desorientierung oder dissoziative Erfahrungen verstärken. Wenn Beschwerden anhalten, sich verschlimmern oder deinen Alltag beeinträchtigen, pausiere und hole professionelle Unterstützung ein.

Ausführliche Hinweise findest du auf der zentralen Sicherheitsseite für Sitting in the Power.

So nutzt du die Serie

Du musst die neun Teile nicht schnell oder in einem festen Wochenrhythmus lesen. Bleibe bei einem Thema, solange es für dich hilfreich ist. Wiederhole eine kurze Übung, pausiere oder überspringe einen Teil, wenn er gerade nicht passt.

Der Lernweg der Serie führt von einer ruhigen Grundhaltung zu mehr Differenzierung:

TeilThemaLeitfrage
#1Haltung und ErwartungenWie beginne ich ohne Leistungsdruck?
#2Eigene Präsenz wahrnehmenWas ist mein persönlicher Ausgangszustand?
#3Wahrnehmung und Deutung trennenWas habe ich erlebt – und was schließe ich daraus?
#4Geistige Welt als DeutungsrahmenWie bleibe ich offen, ohne Kontakt zu behaupten?
#5Duales BewusstseinWie bleibe ich innerlich offen und äußerlich orientiert?
#6Intuition prüfenWie dokumentiere und prüfe ich persönliche Eindrücke?
#7SelbstregulationWie dosiere ich Dauer, Häufigkeit und Intensität?
#8Integration im AlltagWie gehe ich nach einer Sitzung ruhig mit Erfahrungen um?
#9Langfristige PraxisWie überprüfe und erhalte ich meine Routine ohne Druck?

Dein nächster Schritt

Wenn du die Bedeutung, Herkunft und Grundlagen der Praxis zuerst verstehen möchtest, lies: Was ist Sitting in the Power?

Wenn du direkt eine vollständige, sichere Übung mit Varianten für fünf, zehn und zwanzig Minuten suchst, lies: Sitting in the Power Anleitung

Wenn du jetzt mit der Serie weitergehen möchtest, folgt als nächster Teil: #2 Sitting in the Power: Eigene Präsenz wahrnehmen

Du findest alle Serienteile auch über die Übersicht der Sitting-in-the-Power-Serie.

Dieser Artikel ist Teil der Serie Sitting in the Power. Vollständiger Einstieg: Was ist Sitting in the Power?